Gesetzliche Erbfolge in Österreich:
Wer erbt ohne Testament?

Ohne letztwillige Verfügung entscheidet nicht die Familie, sondern das Gesetz. Das ABGB ordnet den Nachlass nach festen Regeln zu: nach Linien und Quoten, mit einer eigenen Stellung des Ehegatten oder eingetragenen Partners. In der Praxis überrascht das Ergebnis regelmäßig, weil eine Lebensgefährtin ohne Trauschein leer ausgeht, während entfernte Verwandte erben. Die Rechtsanwaltskanzlei Nagler ordnet Ihre konkrete Konstellation ein und zeigt, wo die gesetzliche Lösung von Ihren Vorstellungen abweicht. Maßgeblich ist nicht, was als gerecht empfunden wird, sondern was das Gesetz anordnet.

Inhaltsverzeichnis

Erbquote richtig ermitteln

Wer neben wem erbt, entscheidet über die Quote und damit über den wirtschaftlichen Wert.

Stellung des Ehegatten klären

Der Ehegatte erbt neben Kindern anders als neben Eltern oder Geschwistern.

Lebensgemeinschaft mitdenken

Ohne Trauschein besteht kein gesetzliches Erbrecht, unabhängig von der Dauer der Beziehung.

Erbengemeinschaft vermeiden

Mehrere Erbinnen und Erben müssen gemeinsam entscheiden, was Liegenschaften blockieren kann.

Pflichtteil einordnen

Der Anspruch naher Angehöriger besteht auch dann, wenn ein Testament etwas anderes anordnet.

Auslandsbezug abklären

Der letzte gewöhnliche Aufenthalt entscheidet mit, welches Erbrecht zur Anwendung kommt.

Kurzüberblick:
Was jetzt zählt

Die gesetzliche Erbfolge greift immer dann, wenn keine wirksame letztwillige Verfügung vorliegt, und ergänzend auch dort, wo ein Testament nur einen Teil des Nachlasses erfasst. Sie ist keine Notlösung, sondern eine vollständige Ordnung mit klaren Quoten.

  • Sind Kinder oder deren Nachkommen vorhanden?
  • Besteht eine aufrechte Ehe oder eingetragene Partnerschaft?
  • Leben Eltern oder Geschwister, falls keine Nachkommen vorhanden sind?
  • Entsteht eine Erbengemeinschaft, die gemeinsam über eine Liegenschaft entscheiden muss?
  • Weicht das gesetzliche Ergebnis von dem ab, was tatsächlich gewollt ist?

Ziel ist Klarheit darüber, was ohne Testament gilt und ob eine Gestaltung nötig ist. Wer den Anspruch naher Angehöriger einordnen möchte, findet mehr zum Pflichtteil in Österreich.

Rechtlicher Rahmen der Erbfolge

Die gesetzliche Erbfolge ist im ABGB geregelt. Sie beruht auf dem Verwandtschaftsverhältnis und ordnet die Verwandten in Linien, wobei die nähere Linie die entferntere ausschließt.

Wie die Zuordnung erfolgt

An erster Stelle stehen die Kinder und deren Nachkommen. Fehlen sie, folgen Eltern und deren Nachkommen, danach Großeltern und deren Nachkommen. Der Ehegatte oder eingetragene Partner erbt daneben mit einer eigenen Quote.

Warum das Ergebnis in der Praxis überrascht

Das Gesetz kennt weder die tatsächliche Nähe noch den mutmaßlichen Willen. Eine langjährige Lebensgemeinschaft  bleibt unberücksichtigt, während seit Jahren nicht kontaktierte Verwandte erben. Wer das ändern will, braucht eine letztwillige Verfügung. Einen Überblick über das Rechtsgebiet bietet die Seite Erbrecht.

Wie das Gesetz
den Nachlass zuordnet

Hier helfen wir Ihnen konkret – damit Sie wissen, was ohne Testament gilt

Wir ordnen Ihre konkrete Konstellation ein: Wer ist gesetzlicher Erbe, in welcher Quote, und welche Ansprüche bestehen daneben? Dazu gehören die Stellung des Ehegatten, die Behandlung von Vorempfängen und die Frage, ob eine Erbengemeinschaft entsteht.

Wer wissen will, ob das gesetzliche Ergebnis passt, braucht zuerst dieses Ergebnis. Vertiefend zum Anspruch naher Angehöriger: Pflichtteil in Österreich. Zur anwaltlichen Vertretung: Rechtsanwalt für Erbrecht.

Wo die gesetzliche Lösung dem entspricht, was gewollt ist, besteht kein Handlungsbedarf. Wo sie davon abweicht, wird früh erkennbar, welche Gestaltung nötig ist und welche Fristen dabei eine Rolle spielen.

Mehr als eine Rangfolge

Die gesetzliche Erbfolge beantwortet nicht nur, wer erbt, sondern auch, wie der Nachlass wirtschaftlich aufgeteilt wird. Entscheidend ist, dass Quoten und Vermögenswerte zusammen betrachtet werden.

Regelmäßig geht es um Liegenschaften, Konten, Unternehmensanteile und Verbindlichkeiten. Widersprüche entstehen dort, wo eine Quote rechnerisch klar ist, sich aber nicht ohne Verkauf umsetzen lässt.

Warum die Gesamtschau zählt

So kann eine Wohnung mehreren Personen anteilig zufallen, obwohl nur eine darin lebt. Oder ein Betrieb wird zwischen Personen aufgeteilt, die ihn nicht gemeinsam führen wollen. Wir betrachten diese Punkte deshalb als zusammenhängende Gesamtlage, in die auch der digitalen Nachlass gehört.

Welche Quoten
das Gesetz vorsieht

Die Stellung des Ehegatten

Der Ehegatte oder eingetragene Partner erbt nicht als Verwandter, sondern kraft eigener gesetzlicher Stellung. Seine Quote hängt davon ab, wer sonst noch erbt.

Neben Kindern, neben Eltern

Neben Kindern fällt dem Ehegatten ein Drittel des Nachlasses zu, den Kindern gemeinsam zwei Drittel. Sind keine Kinder vorhanden, erbt der Ehegatte neben Eltern zwei Drittel. Fehlen auch diese, erbt der Ehegatte allein.

Was daneben besteht

Neben der Erbquote kann dem Ehegatten ein gesetzliches Vorausvermächtnis zustehen, das die Weiterbenützung der Pflichtteil und des Hausrats sichert. Diese Hinweise geben eine erste Orientierung und ersetzen keine Prüfung des konkreten Einzelfalls. Vertiefende Informationen: Rechtsanwalt für Erbrecht.

Der Ehegatte:
eigene gesetzliche Stellung

Typische Fehler vermeiden

Viele gehen davon aus, dass sich der Nachlass schon sinnvoll verteilen wird. Das Gesetz folgt jedoch festen Regeln, die mit den tatsächlichen Lebensverhältnissen wenig zu tun haben.

  • Die Lebensgemeinschaft wird als abgesichert angenommen, obwohl kein gesetzliches Erbrecht besteht.
  • Die Ehegattenquote wird überschätzt, weil die Kinder gemeinsam den größeren Teil erhalten.
  • Eine Erbengemeinschaft entsteht unbeabsichtigt und blockiert die Liegenschaft auf Jahre.
  • Vorempfänge aus früheren Schenkungen bleiben unberücksichtigt.
  • Patchwork-Verhältnisse werden nicht bedacht, wodurch Stiefkinder ohne Adoption leer ausgehen.

Eine anwaltliche Einordnung zeigt früh, ob die gesetzliche Lösung trägt oder eine Gestaltung nötig ist.

Wenn mehrere gemeinsam erben

Erben mehrere Personen, entsteht eine Erbengemeinschaft. Sie verwaltet den Nachlass gemeinsam, und wesentliche Entscheidungen brauchen Einigkeit.

Wo es in der Praxis klemmt

Besonders bei Liegenschaften führt das zu Stillstand: Verkauf, Vermietung oder Umbau setzen eine gemeinsame Entscheidung voraus. Bereits eine einzelne abweichende Position genügt, um eine Verwertung zu verhindern.

Die Auflösung der Gemeinschaft

Möglich sind eine einvernehmliche Aufteilung, die Übernahme durch eine Person gegen Ausgleichszahlung oder, sofern keine Einigung gelingt, die gerichtliche Teilung. Wir prüfen, welcher Weg wirtschaftlich sinnvoll ist.

Die Erbengemeinschaft und ihre Teilung

Weiterführende Themen

Je nach Ausgangslage spielen neben der Erbfolge weitere Themen eine Rolle. Diese Seiten bieten vertiefende Informationen, sofern einzelne Punkte mehr Raum brauchen.

Der Anspruch naher Angehöriger

Auch bei abweichender letztwilliger Verfügung bleibt der Pflichtteil bestehen. Mehr dazu beim Pflichtteil in Österreich.

Anwaltliche Vertretung im Erbrecht

Rund um Quoten, Teilung und Durchsetzung geht es um Fristen, Nachweise und ein Vorgehen mit Struktur. Vertiefend dazu: Rechtsanwalt für Erbrecht.

Konten, Zugänge und Daten

Ein wachsender Teil des Nachlasses liegt in Benutzerkonten. Mehr dazu zum digitalen Nachlass.

Wenn die gesetzliche Lösung nicht passt

Die gesetzliche Erbfolge lässt sich durch eine letztwillige Verfügung verändern. Wer eine bestimmte Person begünstigen oder eine Erbengemeinschaft vermeiden will, muss dies zu Lebzeiten regeln.

Was gestaltet werden kann

Möglich sind Erbeinsetzung, Vermächtnisse, Ersatzregelungen sowie Vereinbarungen über den Pflichtteil. Auch Schenkungen zu Lebzeiten sind ein Gestaltungsmittel, wirken aber auf die spätere Berechnung zurück.

Grenzen der Gestaltung

Nicht alles ist frei bestimmbar: Der Pflichtteil naher Angehöriger bleibt bestehen und ist wertmäßig zu erfüllen. Wir zeigen, welcher Spielraum tatsächlich besteht.

Abweichen von
der gesetzlichen Ordnung

In fünf Schritten zur Klarheit

Schritt für Schritt:

  1. Personenkreis erheben: Wer lebt, in welchem Verwandtschaftsverhältnis, und besteht eine aufrechte Ehe?
  2. Quoten ermitteln: Die gesetzliche Verteilung für genau diese Konstellation berechnen.
  3. Vermögen zuordnen: Liegenschaften, Konten, Beteiligungen und Verbindlichkeiten den Quoten gegenüberstellen.
  4. Ergebnis bewerten: Prüfen, ob die gesetzliche Lösung wirtschaftlich und persönlich trägt.
  5. Gestaltung entscheiden: Bei Abweichung eine letztwillige Verfügung vorbereiten oder Schenkungen prüfen.

Auslandsbezug:
was zusätzlich gilt

Wenn der Nachlass Grenzen überschreitet

Nicht jeder Erbfall ist rein innerstaatlich. Sobald der letzte gewöhnliche Aufenthalt im Ausland lag, Vermögen in einem anderen Staat liegt oder Beteiligte im Ausland leben, steigen die Anforderungen deutlich.

Anwendbares Recht und Zuständigkeit

Dann ist zu klären, welches Erbrecht gilt und welches Gericht zuständig ist. Die gesetzlichen Quoten unterscheiden sich zwischen den Rechtsordnungen erheblich.

Grenzüberschreitend sauber vorgehen

Bei internationalen Konstellationen führt die Annahme, es gelte ohnehin österreichisches Recht, regelmäßig in die Irre. Wir klären zuerst das anwendbare Recht. Zur Begleitung: Rechtsanwalt für Erbrecht.

Wann eine anwaltliche
Prüfung sinnvoll ist

Nicht jeder Erbfall ist gleich komplex. In bestimmten Konstellationen ist eine anwaltliche Prüfung aber besonders wichtig, weil sich das gesetzliche Ergebnis später nicht mehr korrigieren lässt.

  • Wenn eine Lebensgemeinschaft besteht.
  • Wenn Kinder aus mehreren Beziehungen vorhanden sind.
  • Wenn Liegenschaften oder Unternehmensanteile zum Nachlass gehören.
  • Wenn Schenkungen zu Lebzeiten erfolgt sind, die anzurechnen sein können.
  • Wenn Beteiligte im Ausland leben oder Vermögen im Ausland liegt.

In diesen Fällen schafft eine rechtliche Prüfung Sicherheit – für die Einschätzung, für die Gestaltung und für die Zeit nach dem Erbfall.

Wie die Erbfolge
ermittelt wird

Am Anfang steht der Personenkreis

Eine belastbare Einschätzung beginnt mit der Frage, welche Personen in Betracht kommen. Erst danach lassen sich Quoten berechnen.

Die Details entscheiden

Wesentlich sind Verwandtschaftsverhältnisse, eine aufrechte Ehe oder eingetragene Partnerschaft, vorverstorbene Kinder mit eigenen Nachkommen sowie Adoptionen. Ebenso wichtig sind frühere Schenkungen, die auf die Berechnung zurückwirken.

Ohne Testament oder ergänzend

Die gesetzliche Erbfolge gilt vollständig ohne letztwillige Verfügung und ergänzend dort, wo ein Testament nur einen Teil regelt. Einen Überblick über das Rechtsgebiet bietet die Seite Erbrecht.

Der Weg zur klaren Nachlassordnung

Wer den Anspruch naher Angehöriger, dessen Berechnung und die Anrechnung von Schenkungen vertiefen möchte, findet hier mehr zum Pflichtteil in Österreich.

Häufige Fragen zur gesetzlichen Erbfolge

Was ist die gesetzliche Erbfolge?

Die gesetzliche Erbfolge ist die im ABGB vorgesehene Verteilung des Nachlasses. Sie greift, sofern keine wirksame letztwillige Verfügung vorliegt, und ergänzend dort, wo ein Testament nur einen Teil des Vermögens erfasst.

Sie folgt dem Linienprinzip: Die nähere Linie schließt die entferntere aus. Innerhalb einer Linie treten Nachkommen an die Stelle vorverstorbener Personen.

An erster Stelle stehen die Kinder der verstorbenen Person und deren Nachkommen. Ist ein Kind vorverstorben, treten dessen Kinder an seine Stelle.

Erst wenn keine Nachkommen vorhanden sind, kommen Eltern und deren Nachkommen zum Zug, danach Großeltern und deren Nachkommen.

Neben Kindern erbt der Ehegatte oder eingetragene Partner ein Drittel, neben Eltern zwei Drittel. Sind weder Nachkommen noch Eltern vorhanden, erbt er allein. Daneben kann ein gesetzliches Vorausvermächtnis bestehen.

Nein. Eine Lebensgemeinschaft ohne Ehe oder eingetragene Partnerschaft begründet kein gesetzliches Erbrecht, unabhängig von der Dauer des Zusammenlebens.

Wer die Partnerin oder den Partner absichern will, muss dies durch eine letztwillige Verfügung regeln. Ein eingeschränktes gesetzliches Wohnrecht kann im Einzelfall bestehen, ersetzt aber keine Erbenstellung.

Stiefkinder haben kein gesetzliches Erbrecht gegenüber dem Stiefelternteil. Erst eine Adoption begründet die erbrechtliche Stellung eines eigenen Kindes.

In Patchwork-Konstellationen führt das regelmäßig zu Ergebnissen, die nicht gewollt sind. Wir prüfen in solchen Fällen besonders genau, welche Gestaltung nötig ist.

Dann entsteht eine Erbengemeinschaft. Sie verwaltet den Nachlass gemeinsam. Wesentliche Entscheidungen setzen Einigkeit voraus.

Besonders bei Liegenschaften kann das zu langem Stillstand führen. Aufgelöst wird die Gemeinschaft durch einvernehmliche Aufteilung, Übernahme gegen Ausgleich oder gerichtliche Teilung.

Ja. Der Pflichtteil besteht unabhängig davon, ob die gesetzliche Erbfolge greift oder ein Testament vorliegt. Er steht Nachkommen sowie dem Ehegatten oder eingetragenen Partner zu.

Er ist ein Geldanspruch und richtet sich wertmäßig nach dem gesetzlichen Erbteil. Mehr zum Rechtsgebiet findet sich beim Erbrecht.

Dann steigen die Anforderungen deutlich. Zu prüfen ist, welches Erbrecht anzuwenden ist, welches Gericht zuständig ist und wie eine Entscheidung im betroffenen Staat anerkannt wird.

Die gesetzlichen Quoten unterscheiden sich zwischen den Rechtsordnungen erheblich. Vertiefend dazu: Rechtsanwalt für Erbrecht.

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Profilbild von Fenerica BlauschimmelFenerica BlauschimmelAugust 2025

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Profilbild von NicoleNicoleJuni 2025

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